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Ein Kraftakt für Mensch und Maschine

Buttisholz Ein tonnenschwerer Thermoölkessel aus Österreich wird bei der Firma Tschopp Holzindustrie AG installiert. Ein Meisterstück für alle Beteiligten.

Hannes Bucher kanton@luzernerzeitung.ch

Kein Durchkommen gibt es an diesem Mittwochmorgen beim Buttisholzer Kreisel Guglern Richtung Grosswangen: Ein Scherengitter ist aufgestellt, es gilt, ab 01.30 Uhr nachts bis gegen Mittag den Umweg über das Dorf Buttisholz zu nehmen.

Der Grund für diese Massnahme: Ein gewaltiger Pneukran steht bei der Firma Tschopp Holzindustrie AG direkt auf der Kantonsstrasse, ein zweiter auf dem Firmenareal. 96 Tonnen wiegt der grössere der beiden Kraftprotze, 80 Tonnen Ballast stabilisieren die gewaltigen Maschinen. So viel wiegt der Thermoölkessel, der an diesem sehr frühen Mittwochmorgen installiert werden soll. Die beiden Lastwagen, welche für den Transport nötig waren, haben selber ein Leergewicht von 45 Tonnen. Die monströsen Pneukrane sind um halb sechs in der Früh noch daran, ihr Kraftpotenzial voll auszuspielen. Um sechs Uhr dann ist es geschafft: Der Heizkessel ist millimetergenau auf Position gebracht.

Zu kleine Kreisel

«Alles läuft planmässig», sagt Philipp Bissig. Der Bauleiter schaut dem beeindruckenden Manöver zu. Bereits seit mehreren Wochen sind die Bauarbeiten für einen Erweiterungsbau der Firma Tschopp Holzindustrie AG im Gang. Ein Holzheizkraftwerk wird erstellt. Es soll Wärme für den eigenen Produktionsprozess liefern. Die Betontragwände stehen. Erste Träger der Metallkonstruktion, die darauf zu stehen kommt, ebenfalls. Jetzt wird der gigantische Heizkessel eingebaut.

Vor einer Woche wurde er vom Fertigungswerk in Österreich auf die beiden Tieflader verladen. Am Mittwochmorgen um halb zwei in der Früh ist er nun angekommen. Der Transport durfte nur von 22 Uhr bis 5 Uhr morgens unterwegs sein. Heinrich Gürber von der Firma AGRO Forst & Energietechnik mit Sitz in Österreich ist der zuständige Einsatzleiter vor Ort. Er berichtet, wie der Schwertransport die vergangene Woche hindurch unterwegs war: ein Fahrzeug quasi als Vorhut, das auf den Transport aufmerksam macht. Zusätzlich auch eine Polizeibegleitung. Über Funk wird der Nachläufer in der Fachsprache die gelenkten Achsen des Sattel-Aufliegers – ferngesteuert. Strassenschilder, Beleuchtungen, Verkehrssignale mussten da und dort demontiert werden, um die Strasse freizumachen. Bemerkungen wie «Nicht ganz ‹geputzt› sind die in der Schweiz ...» sollen einem Fahrer hin und wieder entwichen sein. Dann nämlich, wenn er feststellen musste, dass die Kreisel in der Schweiz eben viel enger sind als im übrigen Europa.

Tandem-Hub ist seltenes Manöver

«Nun, wir sind zeitlich absolut im Fahrplan», können die Verantwortlichen aber in Buttisholz befriedigt feststellen. Nach gut zwei Stunden steigt Kranführer René Huber aus Beromünster sichtlich befriedigt von der Maschine. «Ja, alles ist nach Programm gelaufen», sagt er seelenruhig. Die heikle Arbeit, die er eben erledigt hat, ist ihm nicht anzumerken. «Ein Tandem-Hub, das ist schon eher selten», sagt er. Gemeint ist die Arbeitsweise, dass zwei Krane gemeinsam, quasi synchron arbeiten. «Man muss dabei den andern einordnen können und wissen, wie er fährt. Ungleich ziehen hätte eine heikle Schräglage der Last zur Folge.» Nicht die Geschwindigkeit sei massgebend, vielmehr eine gute Vorbereitung. «Das Ganze überdenken, das ist wichtig.»

Der Pneukran fährt seinen gigantischen Arm mittlerweile wieder ein und kommt dann nach Schötz, ebenfalls ein Standort der Firma Fanger Kran AG Sachseln. Von da stammen die beiden beeindruckenden Maschinen.

Im Herbst bezugsbereit

Überaus zufrieden ist auch Erich Helfenstein, stellvertretender Leiter des Sägewerks. Zeitlich sei der Neubau im Programm. Rund 100 Leute sind in der Buttisholzer Firma tätig. Die Firma ist einziger Schweizer Hersteller von Schalungsplatten.

Das neu entstehende Holzheizkraftwerk soll im September den Betrieb aufnehmen. Mit dem Bau der leistungsstarken Holzverstromungsanlage kann dann im Weiteren ein Bandtrockner installiert werden, um nasses Sägemehl sowie Hackschnitzel aus dem Betrieb zu trocknen. «Wir stehen in einem harten europäischen Wettbewerb», so Helfen­stein. Die Euroschwäche sei eine zusätzliche Herausforderung. Mit der Investition in das neue Holzheizkraftwerk stelle man sich diesem Markt jedoch.

Die neue Heizanlage versorgt die Firma Tschopp Holzindustrie AG in Zukunft mit 7100 Kilowattstunden Wärme. Das reicht für 1200 Wohnungen im tiefen Winter zum Heizen und 1400 Kilowattstunden Strom, was wiederum für 600 Haushalte reicht.